F15.0 akute Intoxikation durch andere Stimulanzien (einschließlich Koffein)

Bei vielen Sachen bin ich ein harter Knochen. In kaltem Thermalwasser mit Omis um die Wette schwimmen, Berge hoch rennen in mediterraner Mittagshitze, Berge von Rohkost in mich reinstopfen – geht alles. Hauptsache, die Endorphine sprudeln. Was nicht geht: mehr als eine Tasse Kaffee täglich. Ich weiß: ich Weichei. Und die Tasse Kaffee geht noch nicht mal täglich. Oft wache ich morgens schon so nervös auf, dass ich den Kaffee gleich überspringen kann.

Obwohl ich das weiß, übertreibe ich manchmal trotzdem. Wenn ich mit Kaffeeprofis abhänge und denke, das kann ich auch. Peer Pressure. Oder ich habe vergessen, dass ich die eine Tasse schon hatte. Oder ich denke, pfffff, wat soll’s, her mit dem braunen Zeugs.

Ja, pffff, wat soll’s. Eine Überdosis Kaffee und ich kriege einen manischen Schub (F30.0) und fange an, innerlich Pirouetten zu drehen. Beine, Arme und Augenlider zucken unkontrolliert, die Finger trommeln. Die körperlichen Symptome verschwinden schnell wieder, ich bin ja keine Lusche (siehe oben). Viel schlimmer ist meine latente Tendenz, mit ADHS (F90.0) zu flirten.

Normalerweise neige ich nicht zu Aufmerksamkeitsstörungen. Ich kann mich stundenlang auf etwas konzentrieren (Gott, langhaarige Männer an Kreuzen, Hundebabys). Ich kann mich manchmal so gut konzentrieren, dass ich fast am atypischen Autismus entlang schramme (F84.10), natürlich ohne wirklich autistisch zu sein. Die zweischneidige Gabe der überzogenen Empathie feuert permanent in den Zellen, ob ich will oder nicht.

Was viel nerviger ist, und das zeigt sich sogar schon in diesem Text und ganz ohne Einfluss von Kaffee, ist die fehlende Struktur und Dynamik meines Denkens. Auf Kaffee wird das Leben ein langer, wilder Fluss, ohne Anfang und Ende. Und das ist für mich als reformierte Apokalyptikerin eine fürchterliche Vorstellung. Ich springe von Thema zu Thema (wie jetzt!), Gedanken verlaufen sich in Sackgassen und toten Winkeln, Ideen flüchten in Parallelwelten, aus denen ich sie nicht mehr zurückholen kann.

Zu viel Kaffee macht mich zum Möchtegern-Multitasking-Monster, zum kleinen Kind, das doppelt so schnell spricht, um die Erwachsenen nicht zu langweilen. Und weil wir schon beim feinen Unterschied zwischen Logorrhoe und Diarrhoe sind: Kaffee funktioniert am besten mit Milch und Kuchen und Kaffeetantengespräche über Krankheiten. Kaffee ist eine Einstiegsdroge, der erste Schritt in die böse Welt von Koks, Khat, Ketamin, Krack, Krystal, Kapitalismus, Korruption und Kaos.

Da rauche ich doch lieber Kamillentee.

Eine Antwort zu “F15.0 akute Intoxikation durch andere Stimulanzien (einschließlich Koffein)

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