F51.5 Albträume (Angstträume)

Als ich Kind war, war jeder Traum ein Albtraum. Ich wurde verfolgt von schwebenden Kreuzen, Triebtätern, Mördern, Gespenstern. Ich wurde überfahren, vergewaltigt, geköpft, mit Schraubenziehern erschlagen und Messern zerstückelt. Manchmal war ich Opfer, Täter und Detektiv zugleich. Manchmal versteinerten meine Beine auf einer befahrenen Straße, manchmal kamen mir die Hände abhanden oder wuchsen mir aus dem Kopf.

Angeblich ist das normal. Kinder brauchen Albträume, um sich zu entwickeln. Das zumindest behaupten Wissenschaftler und die müssen es ja wissen.

Heute träume ich meistens davon, mich zu verlaufen, keine Zeit mehr zu haben, wichtige Dinge zu verlieren (Tasche, Jacke, Unterhose), wichtige Dinge zu vergessen (Hund füttern), Flugzeuge und Züge zu verpassen. Manchmal sitze ich auch spontan wieder in der Schule, habe eine Mathe-Prüfung und keinen Plan. Oft fahre ich Auto, natürlich ohne Führerschein.

Langweiliges Zeugs, einfach zu interpretieren, einfach zu vergessen, würde ich es nicht morgens aufschreiben. Ab und an kommt mal etwas Grandioses um die Ecke, richtet Gott das tief brummende Stimmchen an mich, träume ich von einer Idee, die ich tatsächlich auch literarisch oder anderweitig umsetzen könnte. Wenn ich von etwas träume, das sich später zutragen wird (Erinnerungstäuschung oder Déjà-vu), dann ist es meistens etwas total Banales – allein die Tatsache, dass ich es aufschreibe, BEVOR es passiert, rechtfertigt die Anstrengung. Fast nie habe ich offensichtlich sexuelle Träume, noch nie wurde mir einer der beliebten Flugträume gewährt, nie löse ich ein wichtiges Problem der Menschheit im Schlaf, nie kommuniziere ich (wissentlich) mit Aliens.

Stattdessen fährt mir der Zug vor der Nase weg und mir ist kalt am Arsch, weil ich mal wieder meine Unterhose irgendwo vergessen habe. Und mein Hund, der seit 15 Jahren tot ist, verhungert. Gott, womit habe ich das verdient?

4 Antworten zu “F51.5 Albträume (Angstträume)

  1. Such dir mal jemanden, der dir im Traum für die ganzen Fahrten einen EU-Führerschein ausstellt.

  2. Das ist kein selbstloser Wunsch, oder? Eine Führerscheinprüfung würde natürlich in dieselbe Kategorie fallen: Albdrücken.

  3. Weiss gar nicht ob ich das hier schreiben soll, aber ich hatte vor ein paar Nächten den seltsamsten Traum meines Lebens: Ich war als Beobachter in einer Art von Fernsehdokumentation gefangen, in der Loki Schmidt über Sexualität im Alter sprach.. nicht nur sprach, sondern immer bizarrere Praktiken am eigenen Leib vorführte. Irgendwann kam Rolf Eden hinzu um ihr dabei „zur Hand“ zu gehen… als ich am Morgen erwachte, verspürte ich ein unerklärliches Verlangen danach, Coq au Vin zu kochen… Wahrscheinlich wird die klassische Literatur zu Traumsymbolik mir nicht weiterhelfen, aber ins Grübeln kommt man schon. Kann mich selten an meine Träume erinnern, aber wenn dann ist das meistens so krass verspultes Zeug.

  4. Genialer Traum! Erinnert mich an einen Traum, als ich ungefähr sieben war und einen „erotischen Traum“ mit Helmut Schmidt hatte (wir waren beide nackt, aber ich glaube nicht, dass ich damals das Konzept von Erotik verstand). Heute denke ich: GottseiDank Helmut S. und nicht Helmut K.

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